Yhyakh in Jakutien
Am 21. Juni ist der Yhyakh in Jakutien. Wenn der Sommer das Neujahr bringt. Diese Veranstaltung findet jährlich in der dritten Dekade des Monats Juni statt.

Stellen Sie sich vor, Sie leben in einer Welt, in der das Thermometer im Winter auf lebensfeindliche –60 °C fällt. Wie tief muss die Freude sein, wenn die Sonne endlich den Sieg über das Eis erringt? In Jakutien, der weiten Teilrepublik im Osten Russlands, ist diese Freude nicht nur ein Gefühl – sie ist das größte Fest des Jahres: Ysyakh.
Was ist Ysyakh? Das Fest der Sonne und des Lebens
Ysyakh (ausgesprochen: Is-si-ach) ist das traditionelle Neujahrsfest der Sakha (Jakuten). Es findet jährlich zur Sommersonnenwende zwischen dem 10. und 25. Juni statt. Anders als unser kalendarisches Neujahr im Winter markiert Ysyakh den Moment, in dem die Natur erwacht und das Vieh wieder auf die Weiden zieht.
Im Zentrum stehen die Ayyy – die gütigen Lichtgottheiten der jakutischen Mythologie. Ihnen zu Ehren wird gedankt, um Segen für das kommende Jahr zu bitten. Für die Menschen vor Ort ist es ein Moment der spirituellen Erneuerung und der kulturellen Selbstbehauptung.
Faszinierende Fakten über das kälteste Land der Welt
Extremer Temperatur-Check: In der Region Jakutsk erleben Bewohner Temperaturunterschiede von bis zu 100 Grad zwischen Winter und Sommer.
Koumiss – Das weiße Gold: Das Nationalgetränk aus fermentierter Stutenmilch gilt als rituelles Elixier, das Körper und Geist reinigt.
Weltrekord-Potenzial: Bei den großen Feierlichkeiten in der Nähe von Jakutsk versammeln sich oft über 200.000 Menschen, um gemeinsam den Kreistanz zu tanzen.
Rituale und Bräuche: Ein Erbe der Nomaden
Ysyakh ist ein lebendiges Gesamtkunstwerk. Es verbindet uralte schamanische Wurzeln mit der Lebensfreude einer modernen Gesellschaft.
Die Zeremonie des Algys
Das Fest beginnt meist mit dem Algys-Ritual. Ein weißer Schamane entzündet ein rituelles Feuer und füttert es mit Butter und Koumiss. Dies dient dazu, die wohlwollenden Geister herbeizurufen. Der aufsteigende Rauch gilt als Brücke zwischen der Welt der Menschen und den oberen Gottheiten.
Osuokhai: Der Tanz der Unendlichkeit
Der Osuokhai ist ein ritueller Kreistanz, der die Bewegung der Sonne am Himmel nachahmt. Die Teilnehmer fassen sich an den Händen und bewegen sich im Rhythmus eines Vorsängers. Dieser Tanz kann Stunden dauern. Er symbolisiert den ewigen Kreislauf des Lebens und den Zusammenhalt der Gemeinschaft.
Sportliche Wettkämpfe und die Ehre der Männer
Die „Spiele der Dygyn“ sind ein Höhepunkt für viele Besucher. Junge Männer messen sich in Disziplinen wie:
Mas-Wrestling: Ein Kraftsport, bei dem zwei Kontrahenten um einen Holzstab kämpfen.
Jakutisches Springen: Eine komplexe Abfolge von Sprüngen, die Ausdauer und Koordination fordert.
Pferderennen: Das Pferd ist für die Sakha heilig; ein Sieg bringt der gesamten Familie hohes Ansehen.
Kulinarik: Ein Festmahl für die Sinne
Ein Besuch bei Ysyakh ist auch eine kulinarische Entdeckungsreise. Probieren Sie traditionelle Köstlichkeiten, die tief mit der Natur verbunden sind:
Rentierfleisch und Kerechekh: Eine lockere Creme aus Sahne und Beeren.
Koumiss: Die leicht alkoholische Stutenmilch wird aus kunstvoll geschnitzten Holzbechern, den sogenannten „Choron“, getrunken.
Praktische Tipps für Ihre Reiseplanung
Wenn Sie dieses Spektakel hautnah erleben möchten, ist eine gute Vorbereitung entscheidend.
Reisezeit: Planen Sie Ihren Aufenthalt für die dritte Juniwoche. Das Hauptfest in Jakutsk (Us Khatyn) ist am besten erschlossen.
Ausrüstung: Die Sonne in Sibirien ist im Juni extrem stark. Packen Sie Sonnenschutz, eine Kopfbedeckung und Mückenschutz ein.
Verhalten: Die rituellen Pfähle (Serge) sind heilig. Berühren oder fotografieren Sie diese nur mit Respekt und Abstand.
Unterkunft: Buchen Sie Monate im Voraus, da Jakutsk während des Festes komplett ausgebucht ist.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist Ysyakh ein religiöses Fest?
Es ist eine Mischung aus Spiritualität (Tengrismus/Schamanismus) und nationalem Feiertag. Es geht um die Identität der Sakha-Kultur.
Wie sicher ist eine Reise nach Jakutien?
Die Menschen sind außerordentlich gastfreundlich. Dennoch empfiehlt es sich, aufgrund der Abgeschiedenheit und Sprache mit erfahrenen Reiseleitern zu reisen.
Was bedeutet das Wort „Ysyakh“?
Wörtlich übersetzt bedeutet es „Besprengung“ oder „Aussaat“, was sich auf das rituelle Verspritzen von Koumiss bezieht, um die Erde und die Götter zu ehren.
Können Touristen am Osuokhai-Tanz teilnehmen?
Ja, Gäste sind oft herzlich eingeladen, sich in den Kreis einzureihen. Es gilt als Zeichen des Respekts, die grundlegenden Schritte mitzumachen.
Die Kraft der Sonne in der Taiga
In einer Zeit, in der globale Einflüsse lokale Traditionen oft verdrängen, bleibt Ysyakh ein beeindruckendes Beispiel für kulturelle Resilienz. Während die extreme geografische Isolation Jakutiens eine Herausforderung für die moderne Entwicklung darstellt, ermöglicht genau diese Abgeschiedenheit den Erhalt einer weltweit einzigartigen, tief spirituellen Feierkultur. Dies unterstreicht, dass wahre Identität oft dort am stärksten ist, wo die Natur dem Menschen am meisten abverlangt.
Welches dieser Rituale fasziniert Sie am meisten? Könnten Sie sich vorstellen, das Neujahr im Juni zu feiern?
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