Internationaler Tag der Ataxie
Am 25. September ist der Internationaler Tag der Ataxie. Wenn der Körper die Kontrolle verliert. Diese Veranstaltung findet jährlich in der dritten Dekade des Monats September statt.
Am 25. September ist der Internationaler Tag der Ataxie. Wenn der Körper die Kontrolle verliert. Diese Veranstaltung findet jährlich in der dritten Dekade des Monats September statt.

Stellen Sie sich vor, Sie greifen nach Ihrer morgendlichen Kaffeetasse, doch Ihre Hand schießt am Ziel vorbei. Sie wollen einen geraden Schritt machen, aber Ihre Beine fühlen sich an, als würden Sie auf einem schwankenden Schiff stehen. Für Tausende Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist das kein Albtraum, sondern bitterer Alltag. Es ist Ataxie.
Ataxie ist kein einzelnes Krankheitsbild. Der Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Unordnung“. Er beschreibt eine Störung der Bewegungskoordination, die meist durch eine Schädigung im Kleinhirn oder Rückenmark entsteht. Das Kleinhirn fungiert in unserem Kopf wie ein Hochleistungscomputer, der alle Bewegungen feinjustiert. Fällt dieser aus, gerät die Motorik aus dem Takt.
Ataxie zeigt sich oft schleichend. Betroffene berichten von verschiedenen Einschränkungen:
Gangunsicherheit: Ein schwankendes Gangbild, das Außenstehende oft fälschlicherweise als Trunkenheit interpretieren.
Feinmotorik: Probleme beim Zuknöpfen von Hemden oder beim Schreiben.
Sprachstörungen: Die Sprache wirkt verwaschen oder abgehackt (Dysarthrie).
Zittern: Besonders bei gezielten Bewegungen fangen die Hände an zu beben.
Schluckbeschwerden: Ein hohes Risiko für Verschlucken und daraus resultierende Lungenprobleme.
Die häufigste erbliche Form ist die Friedreich-Ataxie, benannt nach dem Heidelberger Pathologen Nikolaus Friedreich. Er beschrieb das Leiden bereits im 19. Jahrhundert. Diese Form beginnt meist vor dem 25. Lebensjahr. Es ist eine degenerative Erkrankung, was bedeutet, dass sich der Zustand über Jahre hinweg verschlechtert. Oft sind die Betroffenen im Verlauf auf einen Rollstuhl angewiesen.
Seit 2012 rückt der Internationale Tag der Ataxie am 25. September diese seltenen Erkrankungen ins Rampenlicht. Warum braucht es diesen Tag?
Diagnosewege verkürzen: Ataxien sind selten. Oft vergehen Jahre, bis Patienten die richtige Diagnose erhalten.
Stigmatisierung abbauen: Wer schwankt, gilt oft als alkoholisiert. Aufklärung schützt Betroffene vor Vorurteilen.
Forschung fördern: Da die Patientenzahlen klein sind, ist die Pharmaindustrie oft zurückhaltend. Aufmerksamkeit generiert Forschungsgelder.
Im DACH-Raum gibt es exzellente Anlaufstellen. In Deutschland ist die Deutsche Heredo-Ataxie-Gesellschaft (DHAG) die zentrale Instanz für Betroffene. In der Schweiz leistet die Schweizerische Muskelgesellschaft wichtige Arbeit, während in Österreich die Österreichische Ataxie-Gesellschaft Betroffene vernetzt.
Spezialisierte Zentren, wie etwa in Tübingen, Essen oder Innsbruck, arbeiten eng mit der Forschung zusammen, um Gentherapien und neue Medikamente zu entwickeln.
In der Lebensmitte stehen wir oft im Zentrum der Familie. Wir beobachten unsere Kinder beim Aufwachsen und unsere Eltern beim Älterwerden.
Emotionale Aufgabe: Die Angst vor Kontrollverlust über den eigenen Körper ist ein Urinstinkt. Das Verständnis für Ataxie hilft uns, Dankbarkeit für die eigene Gesundheit zu empfinden und Empathie für chronisch Kranke zu entwickeln.
Soziale Verantwortung: Als Entscheidungsträger in Firmen oder Vereinen können wir Barrierefreiheit fördern – nicht nur baulich, sondern auch in der Kommunikation.
Wirtschaftlicher Aspekt: Investitionen in die Erforschung seltener Krankheiten führen oft zu Durchbrüchen bei Volkskrankheiten wie Parkinson oder MS.
Ist Ataxie heilbar?
Derzeit gibt es keine vollständige Heilung für die meisten Ataxie-Formen. Intensive Physiotherapie und Logopädie können den Verlauf jedoch positiv beeinflussen und die Selbstständigkeit länger erhalten.
Ist Ataxie immer vererbt?
Nein. Es gibt auch erworbene Ataxien, etwa durch Schlaganfälle, Tumore, Vitaminmangel oder langanhaltenden Alkoholmissbrauch.
Wie unterscheidet sich Ataxie von Parkinson?
Während Parkinson durch Ruhezittern und Steifheit geprägt ist, zeigt sich die Ataxie vor allem durch Koordinationsprobleme bei aktiven Bewegungen und Gleichgewichtsstörungen.
Wo finde ich Hilfe?
Erste Anlaufstelle ist ein Neurologe, idealerweise in einem spezialisierten Ataxie-Zentrum oder einer universitären Ambulanz.
Während die Ataxie als unheilbare, fortschreitende Erkrankung eine schwere Last für Betroffene und ihre Angehörigen darstellt, eröffnen die aktuellen Fortschritte in der Gentherapie und der internationalen Vernetzung so große Heilungschancen wie nie zuvor. Diese Dualität unterstreicht, dass medizinische Forschung und gesellschaftliche Empathie Hand in Hand gehen müssen. Genau das zeigt der 25. September jedes Jahr aufs Neue.
Haben Sie in Ihrem Umfeld schon einmal Menschen erlebt, deren Bewegungen „anders“ wirkten?
Teilen Sie diesen Artikel, um das Bewusstsein für seltene Erkrankungen zu stärken. Speichern Sie diese Seite, um über wichtige Gedenktage und Gesundheitsthemen informiert zu bleiben.
Dieses jährlich wiederkehrende Ereignis ist in folgenden Kalendern enthalten: Argentinien, Bolivien, Gesundheit, Kuba, Mexiko, Spanien, Welttage.
Bremse oder Schutz für unsere digitale Zukunft?...
Wenn Wissenschaft lebendig wird...
Ein Fest der Bewegung und Gemeinschaft...
Mehr als nur Rezepte – ein Tag für echte Alltagsheldinnen und -helden...
Europäische Union...
Naturwunder und Genuss feiern...
Mehr als nur ein Fest für Schlappohren...
Ein Balanceakt der Menschheit...
Wenn Umwelt und Gesundheit im Gleichklang erstrahlen...