Kindertag in Südkorea und Japan
Am 5. Mai ist der Kindertag in Südkorea und Japan. Der Tango no Sekku, auch bekannt als Ayame no Hi. Diese Veranstaltung findet jährlich in der ersten Dekade des Monats Mai statt.

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum im Mai bunte Stoffkarpfen durch den japanischen Himmel „schwimmen“? Oder warum südkoreanische Freizeitparks am 5. Mai aus allen Nähten platzen? Während wir im deutschsprachigen Raum den Kindertag oft eher bescheiden am 1. Juni oder 20. September begehen, zelebrieren Japan und Südkorea am 5. Mai ein wahres kulturelles Fest.
Dieser Tag ist weit mehr als nur schulfrei. Er ist ein tief verwurzelter Ausdruck der Hoffnung, der Familienehre und der Liebe zur nächsten Generation. Tauchen wir ein in zwei faszinierende Kulturen, die an demselben Datum feiern, aber ganz unterschiedliche Traditionen pflegen.
Japan: Von Samurai-Helmen und fliegenden Fischen
In Japan heißt der Feiertag Kodomo no Hi (Tag der Kinder). Er bildet den krönenden Abschluss der sogenannten „Goldenen Woche“, einer Reihe von Feiertagen, die das Land in eine festliche Reisestimmung versetzen.
Vom Knabenfest zum Fest für alle
Ursprünglich hieß dieser Tag Tango no Sekku (Fest der ersten Iris). Jahrhundertelang war er ausschließlich den Jungen gewidmet – als Gegenstück zum Hinamatsuri (Mädchenfest) im März. Das änderte sich 1948: Die japanische Regierung erklärte den 5. Mai offiziell zum nationalen Feiertag, um „das Glück aller Kinder zu feiern und den Müttern zu danken“.
Doch Traditionen sind langlebig. Auch heute noch dominieren Symbole, die historisch mit männlicher Stärke assoziiert wurden, das Straßenbild.
Die Symbolik: Karpfen und Rüstungen
Wenn Sie im Mai durch Japan reisen, werden Sie sie überall sehen: Koinobori. Diese windsackartigen Karpfenfahnen flattern an Masten vor den Häusern oder über Flüssen.
Der schwarze Karpfen (Magoi): Repräsentiert den Vater.
Der rote Karpfen (Higoi): Steht für die Mutter.
Kleinere, bunte Karpfen: Symbolisieren die Kinder.
Warum Karpfen? Eine alte chinesische Legende besagt, dass ein Karpfen, der einen Wasserfall hinaufschwimmt, zu einem Drachen wird. Er steht somit für Kraft, Ausdauer und Erfolg im Leben.
In den Wohnzimmern stellen Familien oft einen Kabuto (Samurai-Helm) oder eine Gogatsu-Ningyo (Samurai-Puppe) auf. Diese sollen den Nachwuchs vor Unheil beschützen und Gesundheit garantieren. Ein weiterer Brauch ist das Shobu-yu: Ein heißes Bad mit Irisblättern, denen nachgesagt wird, dass sie Krankheiten und böse Geister abwehren.
Was kommt auf den Tisch?
Traditionell werden Kashiwa-mochi serviert. Das sind Reiskuchen, gefüllt mit süßer Bohnenpaste und eingewickelt in Eichenblätter. Da alte Eichenblätter nicht abfallen, bevor neue Knospen sprießen, symbolisiert dieses Gebäck den ununterbrochenen Fortbestand der Familie.
Südkorea: Ein Tag der völligen Freiheit
In Südkorea nennt sich der Tag Eorininal. Anders als in Japan, wo alte Rituale dominieren, ähnelt der koreanische Kindertag einer Mischung aus Weihnachten und einem riesigen Volksfest.
Ein historischer Vorkämpfer
Die Wurzeln liegen im Jahr 1923. Der Kinderbuchautor und Aktivist Bang Jeong-hwan rief diesen Tag ins Leben. Seine Vision war revolutionär: In einer Zeit, in der Kinder oft nur als Arbeitskraft oder Besitz der Eltern angesehen wurden, forderte er Respekt und eigenständige Rechte für die Kleinsten. Er prägte auch das moderne koreanische Wort für Kind (eorini), das „junger Mensch“ bedeutet und Würde ausdrückt.
Seit 1975 ist der 5. Mai ein gesetzlicher Feiertag.
Spaß steht an erster Stelle
Für koreanische Kinder ist dies oft der beste Tag des Jahres. Der enorme akademische Druck, der sonst auf den Schülern lastet, macht Pause.
Ausflüge: Freizeitparks wie Lotte World oder Everland, Zoos und Museen sind am 5. Mai brechend voll.
Geschenke: Eltern und Großeltern schenken Spielzeug, Geld oder Elektronik. Die Kaufhäuser verzeichnen im Mai ihre höchsten Umsätze im Spielwarenbereich.
Offizielle Feiern: In Seoul und anderen Städten gibt es Paraden, Kampfsport-Vorführungen (Taekwondo) und Malwettbewerbe.
Es ist ein Tag, an dem die strenge konfuzianische Hierarchie etwas lockerer gesehen wird und das reine Vergnügen im Mittelpunkt steht.
Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Überblick
Obwohl beide Länder am selben Tag feiern, ist die Atmosphäre unterschiedlich:
Japan: Traditionell, symbolbehaftet, ruhig, familiär, Fokus auf Gesundheit und Wachstum.
Südkorea: Modern, eventorientiert, laut, konsumfreudiger, Fokus auf Spaß und Befreiung vom Schulstress.
Beide Nationen eint jedoch der demografische Hintergrund: In Gesellschaften mit den weltweit niedrigsten Geburtenraten wird das einzelne Kind zunehmend wie ein kleiner Schatz behandelt. Der 5. Mai ist somit auch eine Mahnung, diesen Schatz zu hüten.
Experten-FAQ: Häufige Fragen zum Kindertag in Asien
Warum feiern beide Länder am 5. Mai?
Der Ursprung liegt im alten chinesischen Mondkalender (das Fest der „Doppelten Fünf“). Dieses Datum galt als Unglückstag, an dem man Reinigungsrituale durchführte. Über Jahrhunderte wandelte sich dies in Japan zu einem Fest der Abwehr von Übel für Kinder. Korea übernahm das Datum später im Zuge der Modernisierungsbewegungen.
Sind die Geschäfte an diesem Tag geöffnet?
Ja, in beiden Ländern sind Restaurants, Einkaufszentren und Freizeiteinrichtungen geöffnet (und oft überfüllt), da es ein kommerziell sehr wichtiger Tag ist. Behörden, Schulen und Büros sind jedoch geschlossen.
Schenkt man sich in Japan auch Spielzeug?
Ja, aber der Fokus liegt stärker auf den traditionellen Puppen und dem gemeinsamen Essen. In Korea ist der materielle Geschenk-Aspekt (ähnlich wie bei uns zu Weihnachten) oft ausgeprägter.
Mal sehen, was kommt
Obwohl die dramatisch sinkenden Geburtenraten in Japan und Südkorea die langfristige Zukunft dieser Feiertage und der Gesellschaften selbst infrage stellen, wird die emotionale Bedeutung des 5. Mai paradoxerweise immer intensiver. Gerade weil Kinder seltener werden, zelebrieren diese Kulturen deren Existenz mit einer Hingabe und Investition, die weltweit ihresgleichen sucht. Dies unterstreicht, dass Traditionen an Wert gewinnen, wenn das, was sie feiern, nicht mehr selbstverständlich ist.
Wie sehen Sie das: Sollten wir im deutschsprachigen Raum dem Kindertag ebenfalls mehr Gewicht und Tradition verleihen, um den Stellenwert der Familie zu stärken?
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Kindertag in Südkorea und Japan im Kalender 2026, 2027
Dieses jährlich wiederkehrende Ereignis ist in folgenden Kalendern enthalten: Japan, Kinderfeiertage, Südkorea.
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