
Tischa beAv (hebräisch: תשעה באב), der neunte Tag des Monats Av im jüdischen Kalender, gilt als einer der traurigsten und bedeutendsten Gedenktage im Judentum. An diesem Tag erinnern Juden weltweit an verheerende historische Ereignisse, die tief in das kollektive Bewusstsein eingebrannt sind – allen voran die Zerstörung des Jerusalemer Tempels, dem spirituellen Zentrum des jüdischen Glaubens.
Was geschah an Tischa beAv?
Tischa beAv markiert gleich mehrere katastrophale Ereignisse in der jüdischen Geschichte:
586 v. Chr. wurde der Erste Tempel von den Babyloniern unter Nebukadnezar zerstört. Dies führte zur Babylonischen Gefangenschaft, einer Zeit großer Not und Entwurzelung für das jüdische Volk.
70 n. Chr. zerstörten die Römer unter Titus den Zweiten Tempel, ein Ereignis, das das Ende des jüdischen Tempelkults bedeutete und die jüdische Diaspora verstärkte.
135 n. Chr. fiel die jüdische Festung Betar im Bar-Kochba-Aufstand, der letzten großen Rebellion gegen die römische Besatzung, ebenfalls an diesem Tag.
Darüber hinaus wird Tischa beAv auch mit der biblischen Sünde des Goldenen Kalbs in Verbindung gebracht, als das israelitische Volk während der Wüstenwanderung gegen Gottes Gebote verstieß. Viele jüdische Gelehrte sehen in diesem Tag einen Moment göttlichen Urteils.
Warum wird gefastet?
Tischa beAv ist einer der wenigen öffentlichen jüdischen Fasttage und dauert volle 25 Stunden, vom Sonnenuntergang des Vorabends bis zum Erscheinen der Sterne am folgenden Tag. Das Fasten ähnelt dem von Jom Kippur, dem Versöhnungstag, und beinhaltet neben Verzicht auf Essen und Trinken auch den Verzicht auf körperliche Freuden wie Baden, Einölen, das Tragen von Lederschuhen und Geschlechtsverkehr.
Dieser strenge Verzicht soll nicht nur die Trauer vertiefen, sondern auch ein Bewusstsein für die Tragweite der historischen Verluste schaffen. Viele empfinden das Fasten als körperliche Verbindung zur Geschichte und als Möglichkeit der inneren Einkehr.
Rituale und Gebete
In den Synagogen wird an Tischa beAv eine besondere Atmosphäre geschaffen: Das Licht wird gedämpft, Sitzplätze werden oft auf niedrigen Hockern oder dem Boden eingenommen – eine Zeichen der Trauer. Es werden Klagelieder, sogenannte „Qinot“, gesungen und vorgetragen, die den Schmerz und die Hoffnung des jüdischen Volkes ausdrücken.
Tischa beAv heute – Zwischen Trauer und Erneuerung
Obwohl Tischa beAv ein Tag der Trauer ist, enthält er auch eine Botschaft der Hoffnung: Aus Zerstörung kann Neues entstehen. Viele Rabbiner betonen, dass das Gedenken an den Tempelverlust auch ein Ansporn ist, die eigenen Werte, Gemeinschaft und den Glauben zu stärken.
Auch außerhalb Israels erinnern sich jüdische Gemeinden an Tischa beAv – oft als eine Einladung zur Reflexion über Verlust, Identität und die Suche nach Versöhnung in einer zerbrochenen Welt.
Wussten Sie schon?
Der Tempelberg, auf dem der Erste und Zweite Tempel standen, gilt bis heute als heiligster Ort des Judentums – ein Symbol für Sehnsucht und Hoffnung.
Einige der strengsten Fastenregeln an Tischa beAv sind darauf zurückzuführen, dass der Tag ein „kleiner Jom Kippur“ genannt wird – die einzige Parallele im jüdischen Kalender.
Der Name „Tischa beAv“ bedeutet wörtlich „der neunte Tag im Monat Av“ und wird manchmal auch als „Neunter Av“ bezeichnet.
In manchen Gemeinden ist es Brauch, die 9. Av besonders still zu begehen, ohne jede Form von Freude oder Ablenkung.
Fragen zum Nachdenken
Wie gehen wir heute mit kollektiver Trauer und Erinnerung um? Was können wir aus solchen historischen Erfahrungen für unser eigenes Leben und unsere Gemeinschaften lernen? Kann das Bewahren von Erinnerungen helfen, zukünftige Katastrophen zu verhindern?
Tischa beAv zeigt, wie tief Geschichte und Glauben verwoben sind – ein Tag, der nicht nur an Verlust erinnert, sondern auch Raum für Neubeginn und Hoffnung schafft.
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Tischa beAV im Kalender 2026, 2027
Dieses jährlich wiederkehrende Ereignis ist in folgenden Kalendern enthalten: Deutschland, Israel, Österreich.
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