Tag des orangefarbenen Hemdes in Kanada
Am 30. September ist der Tag des orangefarbenen Hemdes in Kanada. Diese Veranstaltung findet jährlich in der dritten Dekade des Monats September statt.

Ursprung und Hintergrund
Der Tag des orangefarbenen Hemdes (Orange Shirt Day) wird jedes Jahr am 30. September in Kanada begangen. Er erinnert an die dunkle Geschichte der sogenannten Residential Schools, Internatsschulen, die ab 1883 von der kanadischen Regierung eingerichtet und überwiegend von Kirchen betrieben wurden. Ziel dieser Schulen war es, die Kinder der First Nations, Métis und Inuit von ihren Familien zu trennen und ihre indigene Identität auszulöschen.
1894 wurde der Schulbesuch für indigene Kinder verpflichtend. Eltern, die ihre Kinder zurückholen wollten, wurden durch das restriktive Pass-System daran gehindert, ihre Reservate ohne Genehmigung zu verlassen.
Leid und Verlust
Die Bedingungen in den Schulen waren erschütternd:
Überbelegung und Unterfinanzierung führten zu katastrophalen Zuständen.
Krankheiten breiteten sich schnell aus, Sterblichkeitsraten von bis zu 60 % sind dokumentiert.
Viele Kinder wurden anonym in Massengräbern beigesetzt, ohne dass ihre Eltern informiert wurden.
Körperliche Gewalt, sexueller Missbrauch und Zwangsarbeit waren weit verbreitet.
Das Sprechen indigener Sprachen wurde mit Prügelstrafen geahndet.
Erst 1996 schloss die letzte dieser Schulen – ein Kapitel, das bis heute tiefe Wunden in der kanadischen Gesellschaft hinterlässt.
Die Geschichte von Phyllis Jack Webstad
Die persönliche Erfahrung von Phyllis Jack Webstad machte den Gedenktag weltweit bekannt. 2013 erzählte sie, wie ihr als Sechsjährige an ihrem ersten Schultag das orangefarbene Hemd, ein Geschenk ihrer Großmutter, weggenommen wurde. Dieses Hemd wurde zum Symbol für die geraubte Kindheit und Identität unzähliger indigener Kinder.
Bedeutung heute
Seit 2021 ist der 30. September in Kanada auch ein offizieller National Day for Truth and Reconciliation. Er soll nicht nur an das erlittene Unrecht erinnern, sondern auch den Dialog zwischen indigener und nicht-indigener Bevölkerung fördern.
Für uns im deutschsprachigen Raum ist dieser Tag ein eindringliches Beispiel dafür, wie wichtig Erinnerungskultur ist. Er zeigt, dass Aufarbeitung und Anerkennung von historischem Unrecht zentrale Schritte für gesellschaftliche Versöhnung sind – ein Thema, das auch in Europa große Relevanz hat.
Was bringt die Zukunft?
Der Tag des orangefarbenen Hemdes ist mehr als ein kanadischer Gedenktag. Er ist ein universelles Symbol für den Wert von Identität, Kultur und Menschenwürde.
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