Nikolaustag
Am 6. Dezember ist der Nikolaustag. Warum wir heute noch Stiefel putzen und Hoffnung teilen. Diese Veranstaltung findet jährlich in der ersten Dekade des Monats Dezember statt.

Wissen Sie noch, wie es sich anfühlte? Dieser eine Morgen im Dezember, an dem man barfuß zum Hauseingang schlich, das Herzklopfen bis zum Hals, um nachzusehen, ob der Nikolaus da war. Der Glanz auf dem frisch geputzten Leder und der Duft von Mandarinen und Erdnüssen gehören zu unseren stärksten Kindheitserinnerungen. Doch der Nikolaustag ist weit mehr als nur Vorfreude auf Schokolade. Er ist ein Fest, das uns seit über 1.600 Jahren an den Wert von Großzügigkeit erinnert.
Wer war der heilige Nikolaus von Myra?
Hinter dem Rauschebart steckt eine echte historische Persönlichkeit. Nikolaus wurde um das Jahr 280 in Patara (in der heutigen Türkei) geboren und wirkte im 4. Jahrhundert als Bischof von Myra. Er gilt als einer der populärsten Heiligen der Christenheit.
Historische Quellen und Legenden, wie sie in der berühmten „Legenda Aurea“ aus dem 13. Jahrhundert gesammelt wurden, beschreiben ihn als einen Mann der Tat. Er erbte ein großes Vermögen und entschied sich, dieses konsequent für Menschen in Not einzusetzen.
Hier sind drei seiner bekanntesten Taten:
Die Goldklumpen: Er soll heimlich Gold durch das Fenster eines armen Mannes geworfen haben, um dessen Töchter vor der Armut zu bewahren.
Das Kornwunder: Während einer Hungersnot in Myra bat er vorbeifahrende Seeleute um Getreide. Obwohl sie Waren abgaben, fehlte bei der Ankunft am Zielort kein einziges Kilo in ihren Speichern.
Schutzpatron der Reisenden: Er rettete Seeleute aus schwerer Seenot, weshalb noch heute viele Kirchen in Hafenstädten seinen Namen tragen.
Regionale Vielfalt: So feiert der DACH-Raum
Obwohl der Kern der Botschaft gleich bleibt, haben Deutschland, Österreich und die Schweiz ihre ganz eigenen, faszinierenden Wege gefunden, diesen Tag zu begehen.
Deutschland: Der Nikolausstiefel
In Deutschland ist der Brauch des „Einlegens“ am weitesten verbreitet. Kinder putzen am Abend des 5. Dezembers ihre Stiefel. Dieser Brauch geht auf die Legende der Goldklumpen zurück – man stellt symbolisch ein Gefäß bereit, um das Gute zu empfangen. Oft wird der Nikolaus von Knecht Ruprecht begleitet, einer Figur, die ursprünglich als Mahner zur Tugendhaftigkeit diente.
Österreich: Krampus und Tradition
In den Alpenregionen ist der Nikolaustag eng mit dem „Krampus“ verknüpft. Während der Nikolaus die Belohnung bringt, erinnert die furchteinflößende Gestalt des Krampus an die Konsequenzen des Handelns. Große Krampusläufe, wie sie etwa im Salzburger Land oder in Tirol stattfinden, ziehen jährlich tausende Besucher an und sind tief im kulturellen Erbe verwurzelt.
Schweiz: Samichlaus und Schmutzli
In der Schweiz kommt der „Samichlaus“ meist nicht heimlich in der Nacht. Er besucht die Familien oder wird im Wald abgeholt. Begleitet wird er vom „Schmutzli“. Ein besonderes Highlight ist das „Klausjagen“ in Küssnacht am Rigi, einer der imposantesten Bräuche Europas mit riesigen, beleuchteten Bischofsmützen (Iffelen).
Warum Nikolaus nicht der Weihnachtsmann ist
Oft werden der heilige Nikolaus und der amerikanische Santa Claus verwechselt. Doch es gibt einen klaren Unterschied:
Der Ursprung: Nikolaus ist eine historische Figur und ein religiöser Heiliger. Santa Claus ist eine im 19. Jahrhundert entstandene Kunstfigur, die Elemente des Nikolaus mit nordischen Mythen vermischt.
Das Aussehen: Der Nikolaus trägt oft die Insignien eines Bischofs – Mitra (Mütze) und Bischofsstab. Der Weihnachtsmann trägt meist den bekannten roten Mantel mit weißem Pelzbesatz, der durch Werbekampagnen weltweit berühmt wurde.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Nikolaustag
Warum feiern wir am 6. Dezember?
Der 6. Dezember ist der überlieferte Todestag des Bischofs Nikolaus von Myra. In der christlichen Tradition ist der Todestag oft der Gedenktag, da er als „Geburtstag in den Himmel“ gefeiert wird.
Seit wann gibt es den Brauch mit den Stiefeln?
Der Brauch, Gefäße für Gaben aufzustellen, entwickelte sich etwa ab dem 15. Jahrhundert. Ursprünglich waren es eher „Schiffchen“ aus Papier, die später durch Schuhe ersetzt wurden.
Ist Nikolaus ein offizieller Feiertag?
In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist der 6. Dezember kein gesetzlicher Feiertag, an dem die Arbeit ruht, sondern ein kirchlicher Gedenktag und Brauchtumstag.
Was schenkt man traditionell zum Nikolaus?
Klassisch sind Äpfel, Nüsse, Mandarinen und Gebäck wie Spekulatius oder Weckmänner (Stutenkerle). Heute kommen oft kleine Aufmerksamkeiten oder Schokolade hinzu.
Ein Licht in der dunklen Jahreszeit
Der Nikolaustag ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie Traditionen Generationen verbinden können. Er erinnert uns daran, dass wahre Stärke in der Sanftmut und wahre Freude im Teilen liegt.
Obwohl der Nikolaustag in einer Zeit des Überflusses oft zu einer reinen Konsumschlacht mit überfüllten Stiefeln zu verkommen droht, bleibt sein Kern ein tiefes Symbol für Hoffnung und Menschlichkeit. Während die Schokolade schnell gegessen ist, wirkt die Geste des bedingungslosen Gebens weit über den Tag hinaus. Genau das zeigt uns, dass kleine Taten auch heute noch die Welt ein Stück heller machen können.
Wie halten Sie die Tradition in Ihrer Familie lebendig? Schreiben Sie uns Ihre liebste Nikolaus-Anekdote in die Kommentare!
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