Natto-Tag in Japan
Am 10. Juli ist der Natto-Tag in Japan. Japans klebriges Geheimnis für ein langes Leben. Diese Veranstaltung findet jährlich in der ersten Dekade des Monats Juli statt.
Am 10. Juli ist der Natto-Tag in Japan. Japans klebriges Geheimnis für ein langes Leben. Diese Veranstaltung findet jährlich in der ersten Dekade des Monats Juli statt.

Stellen Sie sich vor, ein Lebensmittel riecht wie strenger Käse, zieht Fäden wie geschmolzener Mozzarella und spaltet die Nation in zwei Lager. In Japan ist genau dieses Gericht ein Nationalheiligtum. Am 10. Juli feiern die Japaner den „Natto no Hi“ – den Natto-Tag. Was für viele Europäer zunächst gewöhnungsbedürftig klingt, ist bei genauerem Hinsehen eines der kraftvollsten Superfoods der Welt.
Hinter dem Datum steckt ein charmantes Wortspiel, wie man es in Japan liebt. Die Zahl Sieben wird im Japanischen unter anderem als „nanatsu“ (kurz: na) ausgesprochen, die Zehn als „tō“. Kombiniert man beide, erhält man „na-tto“.
Ursprünglich wurde dieser Gedenktag 1981 von einem regionalen Verband in der Präfektur Ibaraki ins Leben gerufen, bevor er 1992 landesweite Anerkennung fand. Er erinnert uns daran, dass wahre Schätze oft in der Einfachheit und Tradition liegen.
Die Entdeckung von Natto war vermutlich ein glücklicher Unfall. Eine populäre Legende besagt, dass der Samurai-General Minamoto no Yoshiie um das Jahr 1083 im Nordosten Japans lagerte. Seine Soldaten wurden beim Kochen von Sojabohnen überrascht und packten die heißen Bohnen hastig in Reisstroh ein.
Als sie die Bündel Tage später öffneten, waren die Bohnen vergoren und zogen klebrige Fäden. Mutig probierten sie die Masse – und waren begeistert vom Geschmack und der Energie, die sie ihnen verlieh. Heute wissen wir: Die im Reisstroh lebenden Bakterien (Bacillus subtilis var. natto) hatten die Bohnen veredelt.
Natto ist weit mehr als nur ein kulturelles Kuriosum. Für die Wissenschaft ist es ein Musterbeispiel für funktionelle Lebensmittel.
Das Enzym Nattokinase: Es wurde in den 1980er Jahren intensiv erforscht. Studien, unter anderem veröffentlicht im Journal of Agriculture and Food Chemistry, weisen darauf hin, dass Nattokinase helfen kann, Blutgerinnsel aufzulösen und die Durchblutung zu fördern.
Vitamin K2 (MK-7): Natto gilt als die weltweit beste pflanzliche Quelle für Vitamin K2. Dieses Vitamin ist entscheidend dafür, dass Kalzium in die Knochen eingebaut wird und sich nicht in den Arterien ablagert.
Probiotische Kraft: Als fermentiertes Lebensmittel unterstützt es aktiv eine gesunde Darmflora, was wiederum das Immunsystem stärkt.
Sie müssen nicht nach Japan reisen, um Natto zu probieren. Auch in Berlin, Wien oder Zürich finden Sie die kleinen Packungen meist tiefgekühlt in gut sortierten Asialäden.
Mein Tipp für Einsteiger:
Rühren Sie das Natto intensiv mit den beiliegenden Saucen (meist Senf und Dashi) um. Je mehr Sie rühren, desto cremiger und milder wird der Geschmack.
Essen Sie es traditionell auf heißem, gedämpftem Reis.
Verfeinern Sie es mit frischem Schnittlauch oder einem Klecks Kimchi. Die Schärfe harmoniert wunderbar mit dem erdigen Aroma.
Riecht Natto wirklich so schlimm?
Der Geruch ist vergleichbar mit einem kräftigen Weichkäse. Wer Camembert oder Roquefort mag, wird mit Natto nach kurzer Zeit keine Probleme haben.
Ist Natto für Vegetarier und Veganer geeignet?
Ja, es ist rein pflanzlich und eine hervorragende Proteinquelle. Achten Sie lediglich bei den beigelegten Saucenpäckchen darauf, ob Fischsud (Dashi) enthalten ist.
Wie viel Natto sollte man essen?
In Japan ist eine kleine Schale (ca. 40–50g) zum Frühstück üblich. Das reicht völlig aus, um von den Enzymen und Vitaminen zu profitieren.
Gibt es Natto auch als Kapseln?
Ja, für Menschen, die sich nicht an den Geschmack gewöhnen können, gibt es Nattokinase als Nahrungsergänzungsmittel. Das kulinarische Erlebnis und die Ballaststoffe fehlen dann jedoch.
In einer Zeit, in der hochverarbeitete Lebensmittel unsere Gesundheit belasten, ist Natto eine besinnliche Rückkehr zur Natur. Obwohl die sensorische Barriere aus Geruch und Konsistenz viele zunächst abschreckt, bietet dieses traditionelle Gericht eine wissenschaftlich fundierte Chance auf mehr Vitalität und Langlebigkeit bis ins hohe Alter.
Dies unterstreicht eindrucksvoll, dass die klügsten Gesundheitskonzepte manchmal schon seit fast tausend Jahren in einem Strohbündel auf uns warten.
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