Nationaler Charango-Tag in Bolivien
Am 15. Januar ist der Nationaler Charango-Tag in Bolivien. Wenn ein kleines Instrument eine große Geschichte erzählt. Diese Veranstaltung findet jährlich in der zweiten Dekade des Monats Januar statt.
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Wie kann ein Instrument, kaum größer als eine Mandoline, zum Symbol eines ganzen Landes werden?
In Bolivien genügt dafür ein Blick – und ein Ton – des Charango.
Am 15. Januar feiert Bolivien den Nationalen Charango-Tag. Der Gedenktag ehrt nicht nur ein einzigartiges Saiteninstrument, sondern auch die kulturelle Identität der Andenregion. Seit 2006 ist er offiziell anerkannt – als lebendiges Zeichen für Tradition, Kreativität und musikalischen Stolz.
Was ist der Nationale Charango-Tag?
Der „Día Nacional del Charango“ wurde per Gesetz eingeführt, um das Charango als nationales Kulturerbe zu würdigen. Das Datum ist bewusst gewählt: Es erinnert an den Geburtstag von Don Mauro Núñez Cáceres, einem der prägendsten Musiker und Instrumentenbauer Boliviens.
Der Tag verbindet Musik, Geschichte und Gemeinschaft – mit Konzerten, Workshops und Festen in vielen Regionen des Landes.
Don Mauro Núñez Cáceres – der Mann hinter dem Klang
Ein Leben für Musik und Handwerk
Don Mauro Núñez Cáceres wurde am 15. Januar 1902 in Villa Serrano (Departement Chuquisaca) geboren. Er war:
virtuoser Charangospieler
Komponist
Instrumentenbauer mit Innovationsgeist
Sein Einfluss reicht bis heute – in Konzertsäle, Musikschulen und Werkstätten.
Klangliche Innovationen
Besonders bekannt ist er für die Entwicklung der Charango-Quena, eines seltenen Hybridinstruments aus Saiten- und Blasinstrument.
Mit seiner sogenannten „Charangología“ schuf er zudem eine systematische Lehre zu Spieltechnik, Bauweise und Klangcharakter – ein Meilenstein für die musiktheoretische Auseinandersetzung mit dem Charango.
Das Charango – klein, hell, unverwechselbar
Ursprünge in der Kolonialzeit
Entstanden vermutlich im 18. Jahrhundert
Inspiriert von der spanischen Laute
Von der indigenen Bevölkerung an lokale Materialien und Spielweisen angepasst
Frühe Modelle wurden teilweise aus Gürteltierpanzern gefertigt – heute aus Naturschutzgründen nicht mehr üblich.
Typische Merkmale
Länge: etwa 60–66 cm
10 Saiten in 5 Doppelpaaren
Heller, klarer, fast schwebender Klang
Viele Instrumente sind kunstvoll verziert und echte Handwerksunikate.
Von den Anden in die Welt
Was einst lokale Volksmusik begleitete, ist heute international zu hören.
Das Charango findet sich in:
traditioneller Andenmusik
Weltmusik und Folk
Jazz- und Crossover-Projekten
Musiker aus Peru, Chile, Argentinien, aber auch aus Europa und Japan, integrieren es in moderne Arrangements – ohne seinen charakteristischen Klang zu verlieren.
Warum dieser Tag mehr ist als ein Musikfest
Der Nationale Charango-Tag steht für:
den Erhalt indigener Musiktraditionen
Wertschätzung handwerklicher Fertigkeiten
musikalische Bildung für jüngere Generationen
Besonders im Departement Potosí, einer der Ursprungsregionen des Instruments, wird der Tag mit öffentlichen Konzerten, Tanz und Ausstellungen gefeiert. Die Musik erzählt von Landschaften, Erinnerungen und Lebensgefühl.
Häufige Fragen zum Charango
Ist das Charango mit der Mandoline verwandt?
Nein, es ähnelt ihr äußerlich, hat aber eine eigene Bauweise, Stimmung und Spieltechnik.
Wird das Charango heute noch neu gebaut?
Ja. Moderne Instrumentenbauer nutzen Holz und kombinieren traditionelle Formen mit neuen Designs.
Kann man das Charango auch außerhalb Südamerikas lernen?
Zunehmend ja – über Musikschulen, Workshops und Online-Angebote.
Ist das Charango nur für Volksmusik geeignet?
Nein. Es wird auch in Jazz, Pop und experimenteller Musik eingesetzt.
Chancen und Herausforderungen
Das wachsende internationale Interesse stärkt die Sichtbarkeit des Charangos und fördert den Erhalt traditioneller Musikformen. Moderne Plattformen ermöglichen neuen Generationen den Zugang zu Spieltechnik und Repertoire. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass kulturelle Tiefe zugunsten oberflächlicher Vermarktung verloren geht oder regionale Unterschiede verwischt werden.
Ein Klang mit Zukunft
Das Charango ist tief in der Geschichte verwurzelt – und dennoch offen für Neues.
Vielleicht liegt genau darin seine Stärke: Es bewahrt Identität und bleibt zugleich wandelbar.
Wie wird das Charango in 20 Jahren klingen – eher traditionell oder ganz neu interpretiert?
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