Kolumbus-Tag

Am 12. Oktober ist der Kolumbus-Tag. Ein umstrittener Feiertag in den USA. Diese Veranstaltung findet jährlich in der zweiten Dekade des Monats Oktober statt.

13. Oktober 2025 - Montag
12. Oktober 2026 - Montag
11. Oktober 2027 - Montag

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Ergebnis:
Einige US-Städte und -Bundesstaaten feiern stattdessen den Tag der amerikanischen Ureinwohner, um die Geschichte und Kultur der indigenen Völker zu ehren.

Heldengedenken oder historischer Irrtum?

Ein Feiertag spaltet Amerika. Was früher als unbestrittener Tag des Entdeckergeistes galt, ist heute Schauplatz hitziger Debatten. Wussten Sie, dass der Kolumbus-Tag (Columbus Day) ursprünglich eingeführt wurde, um eine diskriminierte Einwanderergruppe zu schützen, und nicht nur, um einen Seefahrer zu ehren?

Am zweiten Montag im Oktober bleiben in den USA viele Behörden geschlossen. Doch während in New York die Blaskapellen durch die Straßen ziehen, stürzen anderswo Statuen vom Sockel. Wir beleuchten die Geschichte, die Kontroverse und warum dieser Tag weit mehr ist als ein Datum im Kalender.

Ursprung: Warum Kolumbus geehrt wurde (Die vergessene Geschichte)

Viele glauben, der Feiertag sei rein aus Bewunderung für die Seefahrt entstanden. Das ist nur die halbe Wahrheit. Historiker und Soziologen weisen auf einen ernsten Hintergrund hin:

  • Schutz vor Diskriminierung: Im späten 19. Jahrhundert wurden italienische Einwanderer in den USA massiv diskriminiert. Nach einem brutalen Lynchmord an elf Italienern in New Orleans (1891) rief Präsident Benjamin Harrison 1892 eine einmalige Feier aus, um die Wogen zu glätten und die italo-amerikanische Gemeinschaft zu integrieren.

  • Der Weg zum Bundesfeiertag: Erst 1934 wurde der Tag unter Franklin D. Roosevelt zum offiziellen Bundesfeiertag, maßgeblich vorangetrieben durch die „Kolumbusritter“ (Knights of Columbus).

  • Symbolkraft: Für Italo-Amerikaner wurde Kolumbus zur Identifikationsfigur. Er war der Beweis, dass Katholiken und Südeuropäer ein fundamentaler Teil der amerikanischen Gründungsgeschichte sind.

Traditionen: Konfetti, Paraden und italienischer Stolz

Für Millionen Amerikaner mit italienischen Wurzeln ist der zweite Montag im Oktober so wichtig wie für Iren der St. Patrick’s Day. Es geht um Familie, Herkunft und Anerkennung.

  • New York City: Hier findet die größte Parade der Welt statt. Über 35.000 Menschen marschieren die Fifth Avenue entlang, fast eine Million Zuschauer säumen die Straßen.

  • San Francisco: Die Stadt beansprucht die älteste durchgehende Feier (seit 1868) für sich – ein lebendiges Stück Westküsten-Geschichte.

  • Familienfeste: In vielen Haushalten gibt es an diesem Tag große Essen, die das italienische Erbe zelebrieren – von Pasta bis zu traditionellem Gebäck.

Der Wandel: Warum der Held heute wankt

Das Geschichtsbild hat sich gewandelt. Was für die Generation der heute 60-Jährigen in der Schule noch als „Entdeckung einer neuen Welt“ gelehrt wurde, wird heute kritischer hinterfragt. Die moderne Geschichtswissenschaft und indigene Gruppen führen schwere Argumente ins Feld:

  1. Keine „Entdeckung“: Amerika war bereits seit Jahrtausenden besiedelt. Man kann nicht entdecken, was schon bewohnt ist.

  2. Falscher Ort: Kolumbus betrat nie das Festland der heutigen USA, sondern landete auf den Bahamas, Kuba und Hispaniola.

  3. Brutales Erbe: Seine Ankunft markierte den Beginn von Kolonialisierung, eingeschleppten Krankheiten, Versklavung und dem Massensterben indigener Völker.

Der Aufstieg des „Indigenous Peoples’ Day“

Dieser Perspektivwechsel hat konkrete Folgen. Eine wachsende Zahl von Bundesstaaten und Städten benennt den Tag um oder schafft ihn ab.

  • Vorreiter: Berkeley (Kalifornien) führte bereits 1992 den „Indigenous Peoples’ Day“ ein – genau 500 Jahre nach der ersten Reise von 1492.

  • Der Flickenteppich: Heute ist die Karte der USA gespalten. Staaten wie Alaska, Oregon, Vermont und South Dakota (dort „Native American Day“) erkennen den Kolumbus-Tag nicht mehr an.

  • Kompromisse: In einigen Orten werden beide Anlässe am selben Tag begangen, was oft zu Spannungen führt.

Warum das für uns relevant ist

Auch für uns im deutschsprachigen Raum ist diese Debatte spannend. Sie spiegelt wider, wie wir mit unserer eigenen Geschichte umgehen.

  • Reise-Knigge: Wer im Oktober in die USA reist, sollte sensibel sein. Ein fröhliches „Happy Columbus Day“ kann in Seattle oder Denver für betretenes Schweigen oder Kritik sorgen, während es in „Little Italy“ in Boston herzlich erwidert wird.

  • Diskussionskultur: Der Streit zeigt, wie schwierig es ist, historische Figuren zu bewerten. Darf man Leistungen (die Atlantiküberquerung) würdigen, wenn die Folgen (Leid der Ureinwohner) katastrophal waren?

  • Generationenkonflikt: Ähnlich wie bei Diskussionen über Straßennamen in Deutschland, verläuft der Riss oft zwischen den Generationen. Jüngere (20–40) tendieren stark zur Umbenennung, während Ältere (ab 50) oft an der Tradition festhalten wollen.

FAQ: Die wichtigsten Fragen kurz erklärt

Ist der Kolumbus-Tag ein gesetzlicher Feiertag in den ganzen USA?

Ja, es ist einer von elf bundesweiten Feiertagen („Federal Holidays“). Das bedeutet aber nur, dass Bundesbehörden und viele Banken geschlossen sind. Bundesstaaten können selbst entscheiden, ob sie ihn übernehmen – viele tun dies nicht, und Schulen bleiben oft geöffnet.

Was hat Kolumbus wirklich entdeckt?

Er landete am 12. Oktober 1492 auf einer Insel der Bahamas, die er San Salvador nannte. Er glaubte bis zu seinem Tod, einen Seeweg nach Indien gefunden zu haben – daher der Begriff „Indianer“.

Gibt es wirtschaftliche Auswirkungen?

Ja, der Tag wird im Einzelhandel oft für große „Columbus Day Sales“ genutzt. Für Unternehmen ist es ein wichtiger Umsatztreiber vor dem Weihnachtsgeschäft, unabhängig von der politischen Bedeutung.

Warum wird oft von Leif Eriksson gesprochen?

Archäologische Beweise (L’Anse aux Meadows) belegen, dass Wikinger unter Leif Eriksson bereits um das Jahr 1000 n. Chr. – also 500 Jahre vor Kolumbus – Nordamerika erreichten. In den USA gibt es hierfür den „Leif Erikson Day“ am 9. Oktober, der jedoch kaum öffentliche Beachtung findet.

Die Zukunft wird’s zeigen

Obwohl der Kolumbus-Tag als Symbol für Kolonialismus und historisches Unrecht zunehmend an Rückhalt verliert und die Gesellschaft polarisiert, bietet der Wandel hin zum Indigenous Peoples’ Day die Chance, die Geschichte Amerikas endlich vollständig und ehrlich zu erzählen. Genau diese Reibung zeigt, dass eine lebendige Erinnerungskultur schmerzhaft, aber notwendig ist, um Vergangenheit und Gegenwart zu versöhnen.

Was denken Sie? Ist es möglich, den Entdeckergeist zu ehren, ohne das Leid der Ureinwohner auszublenden?

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Kolumbus-Tag im Kalender 2026, 2027

Dieses jährlich wiederkehrende Ereignis ist in folgenden Kalendern enthalten: American Samoa, Mexiko, US Feiertage, US Jungferninseln.

Was wird zusammen mit dem Kolumbus-Tag gefeiert?

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