Kerzenscheintag in Estland
Am 2. Februar ist der Kerzenscheintag in Estland. Küünlapäev: Wenn das Licht den Winter teilt. Diese Veranstaltung findet jährlich in der ersten Dekade des Monats Februar statt.
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Haben Sie schon einmal gehört, dass der Winter ein Rückgrat hat – und dass dieses genau am 2. Februar brechen soll? In Estland ist das keine bloße Redensart, sondern der Kern des Küünlapäev, dem Kerzenscheintag. Während wir im deutschsprachigen Raum meist nur noch blass an „Mariä Lichtmess“ denken, zelebriert Estland diesen Tag als lebendigen Wendepunkt zwischen der dunklen Jahreszeit und dem ersehnten Frühling.
Erfahren Sie hier, warum an diesem Tag Frauen das Sagen hatten, warum roter Saft Pflicht ist und wie dieser nordische Brauch Licht in den Februar bringt.
Ein Fest, das den Winter teilt
Der 2. Februar markiert im estnischen Volkskalender einen entscheidenden Moment: Das „Herz des Winters“ wird durchstoßen. Die Esten sagen bildhaft: „Das Rückgrat des Winters bricht entzwei.“
Die Bedeutung ist doppelt:
Symbolisch: Die Hälfte der kalten Zeit ist überstanden.
Praktisch: Früher überprüften Bauern ihre Vorräte. War noch genau die Hälfte des Tierfutters und des Brotes übrig, kam man gut bis zur neuen Ernte durch.
In Westestland und auf den Inseln wie Saaremaa verschmilzt diese Tradition mit dem christlichen Mariä Lichtmess. Doch die alten heidnischen Wurzeln sind bis heute spürbar und verleihen dem Tag eine urwüchsige Kraft.
Ein Tag für die Frauen (und den roten Saft)
Was den estnischen Küünlapäev besonders charmant und einzigartig macht, ist seine historische Rolle als Frauenfeiertag.
Während Frauen sonst für Haus und Hof zuständig waren, drehte sich an diesem Tag der Spieß um:
Arbeitsverbot: Frauen durften keine schwere Arbeit verrichten, insbesondere Spinnen oder Stricken war tabu.
Männerpflichten: Die Männer übernahmen die häuslichen Aufgaben.
Geselligkeit: Frauen gingen ins Wirtshaus („Körts“) oder besuchten Nachbarinnen, um den sogenannten „Küünlapuna“ zu trinken.
Das Ritual des „Küünlapuna“
Ein zentraler Brauch ist das Trinken von rotem Saft oder Wein (Küünlapuna). Der Volksglaube besagt: Wer an diesem Tag rotes Getränk zu sich nimmt, erhält sich für das kommende Jahr rosige Wangen, Schönheit und blühende Gesundheit. Ein Brauch, der sich leicht und genussvoll auch heute noch umsetzen lässt.
Kulinarik: Kraftfutter gegen die Kälte
Wer den Winter besiegen will, braucht Kraft. Auf den Tischen in Estland geht es am Kerzenscheintag daher deftig zu. Traditionell wird Schweinefleisch serviert, oft begleitet von einer gehaltvollen Grütze oder Gerstensuppe.
Warum so deftig?
Das fette Essen symbolisierte Wohlstand. Man glaubte: Wer an Küünlapäev gut isst und das Fett glänzen lässt, dessen Schweine werden im kommenden Jahr gut gedeihen und der Haushalt wird keinen Mangel leiden.
Kerzenlicht als Hoffnungsträger
Natürlich spielt das Licht – wie der Name sagt – eine Hauptrolle. Früher wurden an diesem Tag die Kerzenvorräte für das ganze Jahr geweiht oder hergestellt. Man sagte den an Küünlapäev gezogenen Kerzen nach, dass sie heller und länger brennen als alle anderen.
Auch heute noch stellen viele Esten brennende Kerzen in ihre Fenster. Es ist ein stiller Dialog mit der Dunkelheit: „Wir sind noch da, und das Licht kommt zurück.“
Häufige Fragen zum Kerzenscheintag (FAQ)
Ist der 2. Februar in Estland ein gesetzlicher Feiertag?
Nein, der Küünlapäev ist kein arbeitsfreier gesetzlicher Feiertag, aber er ist ein wichtiger Gedenktag im Volkskalender und wird kulturell hochgehalten.
Was bedeutet das Wetter am 2. Februar für den Sommer?
Die Esten sind große Wetterpropheten. Eine alte Regel besagt: „Wenn der Hahn am Kerzenscheintag von der Dachtraufe trinken kann (weil es taut), dann wird der Ochse zu Georgi (im April) keinen Durst löschen können.“ Übersetzt: Ein mildes Tauwetter am 2. Februar deutet oft auf ein langes, kühles Frühjahr hin. Ein klarer, kalter Tag verspricht hingegen einen guten Sommer.
Wie kann ich den Tag zu Hause feiern?
Ganz einfach: Zünden Sie bewusst alle Kerzen im Wohnzimmer an, kochen Sie eine kräftige Suppe und gönnen Sie sich ein Glas Rotwein oder roten Saft auf Ihre Gesundheit.
Schauen wir mal, was passiert: Ein Brauch für die Seele
Der estnische Kerzenscheintag ist mehr als nur ein Datum. Er ist eine Einladung, innezuhalten. In einer Zeit, in der wir oft durch den Winter hetzen, lehrt uns dieser Brauch die Kunst der Pause und der Vorfreude. Ob Sie nun an die Wirkung des roten Saftes glauben oder nicht – der Gedanke, dass das Rückgrat des Winters gebrochen ist, wärmt in jedem Fall.
Haben Sie eigene Rituale, um die zweite Winterhälfte zu begrüßen?
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