Gesamtukrainischer Tag der Bibliotheken
Am 30. September ist der Gesamtukrainischer Tag der Bibliotheken. Diese Veranstaltung findet jährlich in der dritten Dekade des Monats September statt.

Am 30. September feiert die Ukraine den Gesamtukrainischen Tag der Bibliotheken – einen Tag zu Ehren jener Orte, an denen Wissen, Geschichte und Kultur aufbewahrt, geteilt und neu entdeckt werden. Bibliotheken sind weit mehr als Bücherregale: Sie sind Gedächtnisspeicher der Zivilisation und Spiegel ihrer Entwicklung.
Vom alten Babylon bis Kiew – eine Reise durch die Geschichte
Schon vor über 4.000 Jahren sammelten die Menschen Wissen: In der babylonischen Stadt Nippur wurden Tontafeln archiviert, auf denen wichtige Informationen für kommende Generationen festgehalten waren – ein früher Vorläufer der heutigen Bibliotheken.
Auch in der Kiewer Rus entstanden bald nach der Christianisierung die ersten Bibliotheken, meist in Verbindung mit Kirchen. Besonders berühmt ist die Bibliothek der Sophienkathedrale in Kiew, die 1037 von Fürst Jaroslaw dem Weisen gegründet wurde. Sie beherbergte mehr als 900 handgeschriebene Bücher – ein kostbarer Schatz für das Mittelalter. In den Schreibwerkstätten der Kathedrale entstanden zudem neue Bücher, die den Grundstock weiterer bedeutender Bibliotheken bildeten, etwa im Pechersk-Kloster, einem kulturellen Zentrum jener Zeit.
Leider sind viele dieser Werke durch Kriege, Plünderungen und Brände verloren gegangen – so wie die legendäre Bibliothek von Alexandria. Auch von der Sophienbibliothek ist nur ein Bruchteil erhalten. Zu den bekanntesten Überlieferungen zählt das sogenannte Kiewer Evangelium. Besonders bemerkenswert: Eines der erhaltenen Exemplare – das Rheingauer Evangelium – wurde von Anna, der Tochter Jaroslaws, nach Frankreich gebracht. Es diente jahrhundertelang französischen Königen (und später Präsidenten) als Schwurgrundlage und gilt bis heute als Symbol für Bildung und Glauben.
Die Bibliotheksbewegung – vom Mittelalter bis zur Moderne
Bereits im 13. Jahrhundert entstand in der Westukraine eine rege Bibliothekskultur, gefördert durch Fürst Wolodymyr Wasylkowytsch, der eine Buchmanufaktur an seinem Hof einrichtete. Mit dem Einzug des Buchdrucks im 15. Jahrhundert nahm die Entwicklung Fahrt auf. Im 16. Jahrhundert entstanden bedeutende Sammlungen in Lemberg und Ostrog, eng verbunden mit kirchlichen und schulischen Einrichtungen. Die Bibliothek der Kiewer Akademie wurde im 17. Jahrhundert gegründet, im 18. Jahrhundert waren Bibliotheken in Klöstern, Adelshäusern und Kosakenfamilien weit verbreitet.
Ein Meilenstein war das Netzwerk kultureller Einrichtungen Prosvita („Erleuchtung“), das unter österreich-ungarischer Herrschaft in der Westukraine entstand. Bis 1914 zählte es knapp 3.000 Leseeinrichtungen, die drei Viertel der ukrainischen Dörfer und Städte erreichten – eine beeindruckende kulturelle Infrastruktur. Bis zum Jahr 1939 stieg die Abdeckung auf 85 %.
In der Sowjetzeit wurde das Bibliothekswesen Teil der staatlich gelenkten Kulturpolitik, blieb jedoch ein wichtiger Pfeiler der Bildung.
Heute gibt es in der Ukraine rund 40.000 Bibliotheken. Zu den bedeutendsten zählen:
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die Wernadskyj-Nationalbibliothek der Akademie der Wissenschaften,
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die Staatliche Historische Bibliothek,
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und die Nationale Parlamentsbibliothek.
Rund 53.000 Fachkräfte sind im ukrainischen Bibliothekswesen tätig – und sie bedienen jährlich mehr als 17,5 Millionen Leserinnen und Leser.
Warum ein Feiertag für Bibliotheken?
Am 14. Mai 1998 wurde der Gesamtukrainische Tag der Bibliotheken per Präsidialdekret (Nr. 471/98) ins Leben gerufen – ein symbolischer Schritt der jungen unabhängigen Ukraine, um das kulturelle Erbe und die Leistung der Bibliotheken zu würdigen.
Seitdem ist der 30. September ein Tag des Dankes: für die stille, aber unermüdliche Arbeit der Bibliothekarinnen und Bibliothekare, die den Schatz des Wissens bewahren, ordnen und zugänglich machen – ganz gleich, ob auf Papier oder digital.
Ein Hoch auf das geschriebene Wort
Ob Kinderbuch oder wissenschaftlicher Band, ob klassischer Roman oder digitale Datenbank: Bibliotheken sind Orte der Vielfalt, Begegnung und Teilhabe. Und sie erinnern uns daran, dass jedes gesammelte Wort ein Stück Menschheitsgeschichte bewahrt.
Daher: Herzlichen Glückwunsch allen, die in Bibliotheken arbeiten – für ihren unermüdlichen Einsatz, ihre Geduld und ihre Liebe zum Wissen. Möge die Zukunft der Bibliotheken ebenso reich sein wie ihre Vergangenheit.
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Dieses jährlich wiederkehrende Ereignis ist in folgenden Kalendern enthalten: Berufsfeiertage, Ukraine.
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