Eidgenössischer Dank-, Buss- und Bettag
Am 20. September ist der Eidgenössischer Dank-, Buss- und Bettag. Wenn die Schweiz gemeinsam innehält. Diese Veranstaltung findet jährlich in der zweiten Dekade des Monats September statt.
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Stellen Sie sich vor, ein ganzes Land drückt gleichzeitig die Pausentaste. Keine offenen Geschäfte, kein Baustellenlärm, kaum Verkehr. In der Schweiz ist das kein Szenario aus einem Science-Fiction-Film, sondern gelebte Tradition. Jedes Jahr am dritten Sonntag im September feiern die Eidgenossen den Dank-, Buss- und Bettag. Doch was steckt hinter diesem Tag, der weit mehr ist als nur ein arbeitsfreier Sonntag?
Ein staatlicher Feiertag für alle Religionen
Im Gegensatz zu vielen anderen christlichen Festen wurde der Bettag nicht von der Kirche, sondern vom Staat ins Leben gerufen. Er ist ein überkonfessioneller Feiertag. Das bedeutet: Er gehört nicht einer einzelnen Glaubensrichtung.
Heute feiern ihn reformierte und katholische Christen gemeinsam mit jüdischen, muslimischen und christkatholischen Gemeinschaften. In unserer modernen, oft hektischen Welt dient er als Moment der Besinnung. Es geht darum, über die eigenen Werte nachzudenken und Dankbarkeit für das Erreichte zu zeigen.
Die historischen Wurzeln: Zusammenhalt in Krisenzeiten
Die Geschichte dieses Tages ist eng mit der Suche nach Einheit verbunden. Schon im 15. Jahrhundert gab es in einzelnen Kantonen Gebetstage nach überstandenen Schlachten oder Pestepidemien.
1796: Die Tagsatzung (die damalige Versammlung der Kantone) erklärte den Tag erstmals zum nationalen Ereignis.
1832: Es wurde offiziell festgelegt: Der Bettag findet jährlich am dritten Sonntag im September statt.
Das Ziel war klar: In einem Land mit verschiedenen Sprachen und Religionen sollte ein gemeinsamer Tag den sozialen Zusammenhalt stärken. Man wollte zeigen, dass man trotz aller Unterschiede eine Schicksalsgemeinschaft ist.
Regionale Besonderheiten: Von Pflaumenkuchen und Brückentagen
Die Schweiz liebt ihre regionalen Identitäten, und das zeigt sich auch am Bettag besonders deutlich.
Die süße Tradition der Pflaumenwähe
In vielen Kantonen, besonders in der Romandie und rund um Bern, duftet es an diesem Wochenende nach Zimt und gebackenen Früchten. Die „Tarte aux pruneaux“ (Pflaumenkuchen) ist das kulinarische Herzstück des Tages. Früher fasteten die Menschen am Bettag; der gehaltvolle Kuchen war die einzige Mahlzeit und ist bis heute eine beliebte Tradition geblieben.
Der Genfer Sonderweg
Genf feiert seinen eigenen „Jeûne genevois“ bereits am Donnerstag nach dem ersten Sonntag im September. Diese Tradition erinnert an die Solidarität mit den Hugenotten im 16. Jahrhundert.
Lundi du Jeûne: Der Bettagsmontag
Für die Bewohner des Kantons Waadt ist der Montag nach dem Bettag ein offizieller Feiertag. Auch in Kantonen wie Neuenburg oder im Jura ruht die Arbeit an diesem Montag vielerorts, was für ein langes, erholsames Wochenende sorgt.
Warum der Bettag heute wichtiger ist denn je
In einer Zeit, in der digitale Erreichbarkeit und ständiger Leistungsdruck unseren Alltag bestimmen, wirkt dieser Tag fast wie ein Anachronismus – ein Überbleibsel aus einer anderen Zeit. Doch genau hier liegt seine Stärke. Er ist eine Einladung zur Entschleunigung. Er gibt uns den Raum, uns fragen zu微: „Was ist wirklich wichtig?“
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist der Dank-, Buss- und Bettag ein gesetzlicher Feiertag?
Ja, er ist in fast allen Kantonen ein staatlich anerkannter Feiertag. Er fällt immer auf einen Sonntag, weshalb die Geschäfte geschlossen bleiben.
Warum isst man ausgerechnet Pflaumenkuchen?
Die Pflaumen haben im September Saison. Da der Tag ursprünglich ein Fastentag war, bereitete man eine einfache Wähe zu, die man ohne großen Aufwand teilen konnte.
Gilt das Tanzverbot noch?
Früher galt am Bettag ein strenges Tanz- und Unterhaltungsverbot, um die religiöse Ruhe zu wahren. Heute ist dies in den meisten Kantonen gelockert oder ganz abgeschafft, doch öffentliche Ruhe wird weiterhin geschätzt.
Was bedeutet „Buße“ in diesem Kontext heute?
Heute wird Buße oft als Selbstreflexion verstanden – das Eingeständnis von Fehlern und die Bereitschaft, Verantwortung für die Gesellschaft und die Umwelt zu übernehmen.
Ein Tag zwischen Tradition und Moderne
In einer Zeit, in der die religiöse Bindung vielerorts abnimmt, droht der Dank-, Buss- und Bettag zu einem bloßen Datum im Kalender ohne tieferen Inhalt zu werden. Dennoch bietet er als institutionalisierter Moment der Stille eine unschätzbare Chance für den gesellschaftlichen Dialog und die persönliche Regeneration. Genau diese Dualität macht ihn zu einem unverzichtbaren Ankerpunkt der Schweizer Identität.
Wann haben Sie das letzte Mal einen Tag ganz ohne Verpflichtungen und Konsum verbracht?
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